Historischer Stadtspaziergang durch die Altstadt von Osterburg
Osterburg ist das Zentrum einer Einheitsgemeinde, die im Jahre 2009 aus der Stadt und zehn weiteren ehemals selbstständigen Gemeinden entstanden ist und zu der insgesamt über 30 Dörfer gehören. Ein historischer...
Osterburg ist das Zentrum einer Einheitsgemeinde, die im Jahre 2009 aus der Stadt und zehn weiteren ehemals selbstständigen Gemeinden entstanden ist und zu der insgesamt über 30 Dörfer gehören. Ein historischer Stadt- spaziergang macht Sie mit der Entwicklung unserer Stadt bekannt und wird Sie zunächst durch die Altstadt führen. Einzigartig ist dabei die Mölichkeit nahezu den gesamten Stadtkern auf einer dem ehemals inneren Wall folgenden Promenade zu umrunden.

Unser Rundgang durch und um die Osterburger Altstadtbeginnt an der Nicolaikirche, die mit der angrenzenden Wasser- und Kirchstraße sowie dem Kleinen Markt ein Ensemble bildet. Die gegen Ende des 12. Jhs. errichtete romanische Basilika wurde im 15. Jh. zu einer dreischiffigengotischen Hallenkirche umgebaut. Ihre barocke Haube erhielt sie nach dem Stadtbrand von 1761. Neben der Orgel aus der Berliner Werkstatt der Familie Buchholz (1824;Prospekt 1765) ist die bronzene Taufe (1442) besonders sehenswert. Auf der Nordseite der Kirche befindet sich der ursprünglich zum Schloss Rönnebeck gehörende Neptunbrunnen, eine italienische Arbeit vom Anfang des 20. Jhs.
Über die Kirchstraße mit zwei Fachwerkhäusern aus der Zeit des Wiederaufbaus nach dem großen Stadtbrand von1761 gelangen wir in die nördliche Breite Straße, wo sichin einem traditionsreichen Geschäftshaus a. d. J. 1762 das Kreismuseum befindet. Schräg gegenüber ist ein Giebelhaus der einzige verbliebene Zeuge der für die Zeitvor dem Stadtbrand typischen Bebauung dieser Straße. Der Name der Jüdenstraße erinnert daran, dass im Mittelalter den jüdischen Einwohnern gesonderte Wohnviertel zugewiesen wurden. Entlang einer gegen Ende des 19. Jhs. auf den Fundamenten der alten Stadtmauer errichteten Backsteinmauer folgen wir der Nordpromenade bis zum Bereich des ehemaligen Seehäuser Tores, auf welches heute ein großes Wandbild am Giebel des ehemaligen Lies-Hauses hinweist. Von dort führt unser Rundgang in die Burgstraße. Sie verdankt ihren Namen einer hier von der zweiten Hälftedes 10. Jhs. bis zum Ende des 11. Jhs. vorhandenen Burganlage. Die ehemalige städtische Mädchenschule wurde1888/89 zur Erweiterung der Volksschule errichtet, das Gebäude gehört heute zum Gymnasium.
Aus der Burgstraße tritt man auf den Kleinen Markt mit dem Rathaus, dessen heutiges Erscheinungsbild maßgeblich durch die Um- und Erweiterungsbauten von1879 und 1905 bestimmt wird. Ursprünglich befand sichhier der gotische Ratskeller, welcher wie das auf dem Kirchvorplatz stehende Rathaus im Dreißigjährigen Krieg und nochmals im verheerenden Stadtbrand von1761 zerstört worden war, so dass man sich 1771 zum Neubau eines Rathauses mit Ratskeller an der heutigen Stelle entschloss.
Über den Großen Markt gelangen wir zur Stadt- und Kreisbibliothek. Das imposante, gegen Ende des18. Jhs. errichtete Wohnhaus diente nach dem Ankauf durch den Osterburger Magistrat i. J. 1834 zunächst als Volksschule. Tritt man in die Werbener Straße ein, so befindet man sich im Bereich des früheren „Alte-Stadt-Tors“. Hier wurde 1859 nach seinem Umzug von Gardelegen nach Osterburg das erste Gebäude des Königlichen Lehrerseminars errichtet. Der heute zum Markgraf-Albrecht-Gymnasium gehörende Komplex wurde 1888 durch einen großzügigen Anbau und 1909 durch die Errichtung einer eigenen Seminar-Übungsschule an der Wallpromenade erweitert. Auf dem Schulhofbefindet sich ein Rest der im 19. Jh. größtenteils abgebrochenen Osterburger Stadtmauer.
Wenige Schritte weiter betreten wir die östliche Wallpromenade. Nachdem bereits um 1800 mit der Einebnung der Wälle und Anlegung der Promenade begonnen worden war, wurde diese seit der Mittedes 19. Jhs. auch mit Wohnhäusern bebaut. Nebender früheren Seminar-Übungsschule ist hier das ehem. Wohnhaus von August Huchel, dem Pionierder deutschen Spargelzucht und Begründer der Deutschen Spargelhochzuchtgesellschaft (1929), ein Innehalten wert. An der südlichen Wallpromenadesteht seit 1928 die Katholische Kirche St. Josef. Sie besitzt eine sehenswerte künstlerische Ausstattungaus den 1960er Jahren.
Der Name des Hilliges-Platzes erinnert an August Hilliges, der sich in seiner Zeit als Osterburger Bürgermeister (1888–1920) vor allem um die gewerbliche Entwicklung der Stadt bleibende Verdiensteerworben hat. Im Bereich des früheren Stendaler Tores betreten wir die Blumenstraße, deren Verlauf ebenfalls der einstigen Stadtbefestigung folgt. Mit dem Eintritt in die erst ab 1913 angelegte Poststraße beschließen wir den Rundweg um die ehemalige Altstadt.
Wer möchte, kann an dieser Stelle den erweiterten Stadtspaziergang anschließen, der zunächst in nordwestlicher Richtung zum Biesebad führt. Das schon am Ende des 19. Jhs. bestehende Bad ist eines der letzten noch betriebenen Flussbäder Deutschlands. Die benachbarten Werderwiesen dienen schon seit mehr als hundert Jahren im Winter als Eislauffläch efür Jung und Alt. Über die Schwiegermutterbrücke gelangt man in die Krumker und von dort in die Seehäuser Straße. Beide Straßenzüge entstanden im Zuge der Stadterweiterung des 19. Jhs., welche hier jedoch nie dasselbe Ausmaß wie in den südlichen und westlichen Stadtteilen erreichte. Über die Biesebrücken und die Bieseinsel mit dem Speicher der ehemaligen Wassermühle betreten wir wieder den Bereich des mittelalterlichen nördlichen Stadttores. Durch die Bergstraße und die Werbener Straße vorbei am Markgraf-Albrecht-Gymnasium führt unser erweiterter Rundgang zur Kapelle St. Martin. Ihr Vorgängerbau war vermutlich die erste Kirche der hierwohl im Schutz des benachbarten Burgwalls (ca. 11. Jh.) entstandenen frühesten städtischen Siedlung Osterburg. Über den Friedhof mit seinem alten Baumbestand und durch die Gartenstraße geht es zum Schillerplatz, wo 1908 das durch eine Spende des früheren Seminardirektors Heinrich Eckholt finanzierte und durch Gottlieb Elster geschaffene Schillerdenkmal enthüllt wurde. Nach dem I. Weltkrieg wurde hier auch ein Denkmal für die gefallenen Seminaristen errichtet. An der Ecke Puschkinallee-Bahnhofsallee befindet sich das 1899 errichtete Gebäude der bereits 1860 zur Verbesserung der Vorbildung der angehenden Seminaristen gegründeten Präparandenanstalt.
Vorbei am Hauptgebäude des Bahnhofs (1901/02) und dem 1895 errichteten ehem. Hotel Berliner Hof geht es in die Bahnhofstraße. In diesem zwischen Bahnhof, Lindenstraße und Stendaler Chaussee gelegenen Terrain nahm in den 1860er Jahren die systematische Stadterweiterung ihren Anfang, welche aus dem gewerblichen Aufschwung resultierte, der durch den Bau der Bahnstrecke Magdeburg-Wittenberge-Hamburg und die Anlage der Stendal-Wittenberger Chaussee in den 1840er Jahren ausgelöst worden war. An der Einmündung der Hainstraße erreichen wir mit dem Lorenz’schen Pädagogium den Komplex einer weiteren ehemals privaten Lehranstalt (1893/94), die seit 1918 als städtische Schule dient. Durch die verlängerte Hainstraße und über den 1875/76 angelegten Wilhelmshain gelangen wir zur ehem. Provinzial-Taubstummenanstalt. 1864 gegründet, konnte die Einrichtung 1890/91 diesen Neubau beziehen. In der heutigen Thälmannstraße weisen diee hem. Woltersdorffschen Lehranstalten auf ein weiteres Stück Osterburger Schulgeschichte hin. Die Privatschule mit progymnasialem Charakter wurde 1863 mit der Einrichtung einer Knabenschule begründet und erhielt 1868 das erste eigene Gebäude, den roten Klinkerbau. 1871/74 durch eine Höhere Töchterschule in der Bahnhofstraße erweitert, kamen in der Folgezeit noch zwei weitere Gebäude in der Thälmannstraße hinzu.
Von dort sind es nur wenige Schritte bis zu dem bereits 1681 hier errichteten ehem. Hospital St. Georg. Es verdankt seine heutige Gestalt im Wesentlichen einer umfassenden baulichen Erneuerung 1863/64. An der Ecke zur Lindenstraße befindet sich das 1892/93 errichtete Kreisständehaus, welches bis zur Auflösung des Landkreises Osterburg i. J. 1994 Sitz der Kreisverwaltung war. Von dort geht es zurück in Richtung Altstadt. An der Einmündung der Bismarker Straße bilden das 1889 errichtete ehem. Postgebäude und das gegenüber liegende Geschäftshaus vom Ende des 19. Jhs. eine markante Ecksituation. Mit der Breiten Straße betreten wir wieder die Altstadt. Ihr Bild wird noch heute zu einem großen Teil durch die aus dem Ende des 19. und Beginn des 20. Jhs. stammenden Wohn- und Geschäftshäuser, darunter ehemalige Restaurants und Hotels, bestimmt.
Ja
Keine besondere Ausrüstung notwendig. Gutes Schuhwerk wird empfohlen.
über die Bundesstraße B189 bis Osterburg, Abfahrt Osterburg Zentrum, Wasserstraße 12
Koordinaten für Navigationssysteme 52°47'24.3"N 11°45'13.0"E
Die Hansestadt Osterburg ist mit Bus und Bahn erreichbar. Entfernung Bahnhof --> Nicolaikirche ca. 650m
im unmittelbaren Umfeld der Nicolaikirche möglich
Flyer "Historischer Stadtspaziergang"
Weiter Informationen auf den Internetseiten der Hansestadt Osterburg unter
Stadtinformation Osterburg
Großer Markt 10
39606 Hansestadt Osterburg (Altmark)
Tel. 03937 89 50 12
Genießen Sie auf dem erweiterten Rundgang Stationen im ehemaligen Außenbereich der Stadt, darunter Ensembles der Stadtentwicklung im 19. und 20. Jahrhundert
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